LIVE - BERICHTE VOM WOODSTONE FESTIVAL 2008

FREITAG, 11.07.2008

Es ist Punkt 18 Uhr, als AUDIO BASTARD aus Graz loslegen dürfen. Zwar sind kaum noch Leute da, die Band kann aber mit ihrer agressiven, rhythmusbetonten Mischung aus Hardcore und Metal trotz nicht gerade berauschendem Sounds durchaus überzeugen.
Hervorzuheben ist hier der besonders variable Gesangsstil. Der Typ grunzt, kreischt und schreit in sein Mikro, um im nächsten Moment mit eher Hardcore- mäßigen Shouts oder äußerst melodischen Einlagen zu punkten und deckt somit die gesamte Palette der Sangeskünste ab. Net schlecht für den Anfang…

Da sich der Auftritt von Del Loco verschiebt, weil die Truppe meint, erst später abends anreisen zu müssen, gehen als nächstes AGONY`S DESPAIR auf die Bühne. Die 5 Burschen und das Mädel am Mikro füllen diese gut aus und geben auch gleich richtig Gas. Melodischen Gothic Death Metal bekommt man geboten, wobei alles schon sehr schlüssig wirkt.
Das besonders Geile an AGONY`S DESPAIR ist der Wechselgesang Männlein/Weiblein (Grunzgesang/Cleangesang), wobei vor allem die Stimme der Sängerin sehr, sehr gut rüberkommt. Hier denkt man sich: Death Metal meets Lacuna Coil. Echt überzeugend!

Jawohlll, REEK OF DEATH stehen auf den Brettern und brettern (sick!) mal ganz schön derbe los. Alle, die ihr nicht in Scharen gekommen seid, um zu sehen und zu staunen, schämt euch mal so richtig, pfui! Freitagabends bricht die Hölle aus in Stainz, und verantwortlich dafür ist eine geniale Mixtur aus purem Death/ Thrash Metal, wie man in aus den späten Achtzigern bzw. frühen Neunzigern kennt und modernerem Thrash, wie man in heutzutage desöfteren aus Schweden vernimmt. Sehr erwähnenswert ist übrigens auch der neue, blutjunge Drummer, der einen absolut brillanten Job an den Schlagstöcken abliefert, obwohl er beim Woodstone einen seiner ersten Gigs überhaupt mit der Band spielt. Beachtlich! REEK OF DEATH hinterlassen mit Songs wie „Strange Fruit“ oder „Philosophy Of Time“ nichts als verbrannte Erde (!) und sind damit das Highlight des Tages. Great!

Ja, der Freitag war echt Wahnsinn! Kaum hat man Reek Of Death verdaut, kommen schon The Wolf und seine Bande, besser bekannt unter dem Namen BLOODFEAST, an die Reihe.
Nun ja, was soll ich sagen? Nachdem ich die altgediente Deutschlandsberger Death/ Black Metal- Brigade (plus einigen moderneren Einflüssen, die sich im Laufe der Zeit dazugesellt haben) bereits zu x-ten Male live erleben darf, muss ich wohl einmal mehr zugeben, dass diese Jungs einiges auf dem Kasten haben, und zwar sowohl von der spieltechnischen Seite als auch von der Bühnenperformance her. Da wird gewirbelt, da wird gepost, und auch der neue Bassist Lutti fügt sich nahtlos in dieses Erscheinungsbild ein, als wäre er schon jahrelang mit von der Partie. Songmäßig gibt es keinerlei Überraschungen, man setzt auf altbekanntes Material, was in diesem Fall sicher nichts Schlechtes heißt. Trotzdem hätte ich persönlich dem einen oder anderen neuen Song gelauscht…

Sehr verändert hat sich die nächste Partie, die auch schon einen längeren Weg hinter sich hat. Von ehemals MIDGARD zu nunmehr SOLE METHOD mutiert, haben die sympathischen Jungens mit ihrer musikalischen Vergangenheit anscheinend komplett abgeschlossen und versuchen es jetzt unter neuem Namen plus neuem Stil. Viel, viel moderner und aufgeschlossener als unter altem Namen und mit zahlreichen verschiedensten Einflüssen gestärkt, spulen sie ihr noch etwas steril und kalt wirkendes Programm herunter. Die Grundidee hinter SOLE METHOD ist sicherlich keine schlechte, die Band gibt´s ja noch nicht ewig lange und ich bin überzeugt, sie wird ihren Weg gehen. Trotzdem trauere ich persönlich der Vorgängerband schon etwas nach, die mit ihrem ziemlich groovigen, melodischen Death Metal sicher nicht nur mich überzeugt hatte…

MAINLINE aus Turin / Italien haben scheinbar ein sehr offenes Verständnis für Musik. New Metal trifft auf Thrash trifft auf Hardcore trifft auf….. Sehr intensive musikalische und optische Darbietung mit abwechslungsreichen Vocals (mal agressiv, mal melodischer). Zwar sind diese wackeren Burschen nicht ganz meine Baustelle, wobei aber alles wirklich gut umgesetzt und recht professionell wirkt. Die wissen definitiv, wohin sie wollen, und auf alle Fälle eine Band mit Potenzial für ein weitaus größeres Publikum.
Falls ihr offen für eine interessante Variante intensiver Crossover- Sounds seid, bitte dranbleiben und ab auf die Website der Band…

PERISHING MANKIND aus Leibnitz sind live mittlerweile auch ziemlich beeindruckend. Mit einer Souveränität und Spielfreude, die ihresgleichen sucht, zocken sie ihr Programm herunter, was man von manch anderer Gruppe, die schon etwas länger mit dabei ist, mit Sicherheit nicht behaupten kann. PERISHING MANKIND punkten mit ihrem angethrashten Midtempo- Death Metal und können vollends überzeugen. Ein zusammengespieltes Team also (7 Jahre ohne Besetzungswechsel sprechen wohl für sich), welches einen mehr als würdigen Freitags- Headliner abgibt.

Tja, und danach holen noch DEL LOCO ihren versäumten Gig nach. Man muss auch diese Band mittlerweile als Einheit bzw. als Team betrachten, obwohl auch die Deutschlandsberger erst vor kurzem zwei Line Up- Wechsel zu verzeichnen hatten. Als Woodstone- Veteranen (die Band spielt bereits zum dritten mal hier), setzen sie dem ersten Festivaltag mit ihrem recht ausgereiften Crossover- Sound ein würdiges Ende. Hervorzuheben ist vor allem Sänger Andi (wie schon so oft), der (was ich in der Vergangenheit auch schon oft genug betont habe), in den paar Jahren des Bestehens von DEL LOCO einen immensen Entwicklungs- und Reifeprozess hinter sich hat.

SAMSTAG, 12.07.2008

Am Samstag geht´s gegenüber dem Vortag schon am Nachmittag los, da heute doch noch ein paar Bands mehr spielen. Ich möchte an dieser Stelle nur anmerken, dass der heutige Tag einen traurigen Rekord darstellt, denn trotz Traumwetters und einer Vielzahl an verschiedenen Musikkapellen (und das alles bei billigstem Eintritt!) hält es anscheinend kaum irgendjemand für notwendig, vorbeizuschauen und sich mal ein paar Bands anzuschauen, die in unserer Gegend noch nicht so bekannt sind. Leute, was ist los mit euch? Gibt´s kein Festival, passt es euch nicht und wenn mal was stattfindet (außer dem Woodstone gibt´s hier eh fast nichts), dann kommt keiner. Hallo Jugend, seid ihr noch zu retten oder einfach im Dauertiefschlaf? So, das musste ich mal loswerden…

Dabei könnte ich mich glatt selbst ohrfeigen, habe ich es in meinem verdammten Stress doch wirklich geschafft, den uhrzeitmäßig leider viel zu früh angesetzten Alleinunterhalter HC ROTH zu verpassen. Und der hatte laut Ohrenzeugenberichten einiges zu erzählen.
Im Rahmen einer akustischen Comedy- Show verzauberte der Singer/ Songwriter aus Graz die wenigen Leute, die zu so früher Stunde schon gekommen waren mit Politik- und Gesellschaftsparodien a la Hans Söllner und ist damit angeblich recht gut angekommen.

STRANGE DAYS sind dann die nächsten im Bunde. Innerhalb der ihnen zugestandenen 30 Minuten Spielzeit zocken sie ihren sauber dargebotenen Rock/Grunge/Alternative – Sound und verbreiten damit weiter gute, bierselige Nachmittagslaune. Bei weitem nichts Spektakuläres oder gar Neues zwar, aber gehobener Unterhaltungsdurchschnitt, der einen nicht zu Euphoriestürmen hinreißt, aber auch nicht weiter stört…

CUVEE sind eine weitere „Gute Laune“ – Band. Der Alternative Rock der Grazer hat etwas Spezielles, auch wenn die Musik an und für sich auch nichts Neues ist. Doch CUVEE haben einen besonderen Trumpf im Ärmel, für den andere gleichgeartete Combos töten würden: Die Gesangsleistung der Bandleaderin ist über jeden Zweifel erhaben!
Immer schön flockig rockig entführen uns CUVEE eine halbe Stunde lang in ihre eigene Welt. Nichts für Metal- Fetischisten, aber, und dafür schäme ich mich als alternder Metaller keineswegs, finde ich diese Truppe absolut stark. Weiter so!

Allenfalls als durchschnittlich empfinde ich den Alternative Rock von GIORNO FESTIVO aus Stainz. Die noch sehr junge Band gibt zwar ihr Bestes, kann mich aber beim besten Willen nicht überzeugen. Das soll nun nicht als Negativkritik verstanden werden, denn ähnlich wie bei den Kollegen von Strange Days glaube ich auch bei dieser Formation, dass da noch einiges an verstecktem Potenzial vorhanden ist…

SOON, unter welchem Namen unser alter Freund Schimpi heute auftritt, verpasse ich danach leider aufgrund terminlicher Überschneidungen. Also muss ich mich an das halten, was ich von Dritten zu Ohren bekommen habe: Der „Soft Porno Pop“ (?) SOONs wird heute rein akustisch und reichlich schräg dargeboten, was bei den Leuten angeblich nicht allzu gut angekommen ist…

Es tut mir echt leid, dies schreiben zu müssen, aber es scheint auf jedem Festival ein paar Gruppen zu geben, die mir absolut nicht zusagen und mit denen ich relativ wenig anfangen kann. Das trifft in diesem Fall auch auf MUNKA TWITCH zu, wobei ich mir im Vorfeld (und nicht nur ich) aufgrund von Mundpropaganda doch einiges erwartet hatte.
Auch beim Rest des Publikums scheiden sich im Falle MUNKA TWITCH die Geister. Einem Teil der Fans gefällts, andere wiederum sehen sich schon nach den ersten Takten veranlasst, erst mal an die Schenke zu wechseln und sich dort anderen Dingen zuzuwenden.
Zusammenfassend sei gesagt, dass sich die Band irgendwo in der Schnittmenge aus Hip Hop und Rock bewegt, ausgestattet mit reichlich monotonem, Rap- artigem Gesang…

KIMERA spielen eine Mischung aus Rock/Metal/Alternative und können mit ihrer Performance wiederum vollauf überzeugen. Die Niederösterreicher bemühen sich auf jeden Fall, für Stimmung unter den leider noch immer recht wenigen Anwesenden zu sorgen und bieten solide, in meinen Augen ehrliche Kost verbunden mit enormer Spielfreude und einer tollen Ausstrahlung. Ich muss allerdings noch anmerken, dass das 2 Tages- Event nun auch schon bei mir Spuren hinterlassen hat und ich mir schön langsam vorkomme, als befände ich mich mitten im Crossover- Nirvana. Bis zu diesem Zeitpunkt sind mir die musikalisch mal mehr, mal weniger gelungenen Offenbarungen doch etwas zu ermüdend und einseitig.

Auch RED LIGHT ROMANCE, ehemals LADY MOURA, befinden sich auf der heute schon äußerst strapazierten Alternative Rock/ Crossover – Welle, ich muss aber auch dieser Gruppierung zugestehen, das sie ihr Handwerk versteht. Vor allem die Stimme des Frontmanns weiß sehr gut zu gefallen. Der Sänger verfügt nämlich über ein Organ mit einem überaus eigenen, sehr angenehmen Timbre, womit sich RED LIGHT ROMANCE schon deutlich von Kapellen, die über einen ähnlichen Stil verfügen, abheben…

JOHN DOE sind danach zur Abwechslung mal die wirklich etwas andere Partie. So hat mich die einheimische Nachwuchsband schon auf CD äußerst beeindruckt, und ich war schon dementsprechend gespannt auf ihren Auftritt. Diese lustigen Vögel bezeichnen ihre Musik selbst als „Frustrock“ (siehe Interview), gestalten ihren Gig zwar sehr modern, sind aber trotzdem meilenweit entfernt von sämtlichen gängigen Metal-, Hardcore- oder Rock- Klischees. Diese Band hat außerdem tatsächlich ihren eigenen Sound gefunden, klingt eigenständig im wahrsten Sinne des Wortes. Grandios! Jetzt weiß ich natürlich nicht mal annähernd, mit wem oder was ich JOHN DOE vergleichen könnte und möchte mir an dieser Stelle eine Stilbeschreibung sparen – selbst live ansehen bitte!

Danach kommen mit ROHSTOFF die nächsten Lokalmatadore des heutigen Spieltages und sie besitzen mittlerweile schon eine Menge an Routine. Die Burschen aus Graz haben hart an sich gearbeitet, was nicht nur eine Reihe an Auslandsauftritten beweist, sondern eindeutig auch einem viel reiferen Songwriting als noch vor gar nicht so geraumer Zeit, anzumerken ist. Die wichtigste Veränderung zum Positiven haben ROHSTOFF gegenüber den Anfangstagen wohl gesangstechnisch hinter sich, tolle Entwicklung!
Und so ballern ROHSTOFF ihren gereiften Crossover – grob umschrieben: Metal trifft auf Hardcore – unters gemeine Volk, hätten aber natürlich auch ein größeres und dankbareres Publikum verdient…

…Was auch für JADISH gilt. Die italienische All Girl- Formation unterhält zumindest die wenigen Anwesenden samt Veranstalter und Crew aufs Beste und sind für mich die Gewinner des Tages. Das erste Mal an diesem Samstag kommt (zwar im kleinen Rahmen) sogar so etwas wie mitreißende Festivalstimmung auf und das zurecht.
Diesen wackeren Mädels macht so schnell keiner was vor, die wissen wo´s lang geht, wie man Stimmung erzeugt. Der desöfteren alternative Rock mit einigen Metal- Einflüssen geht an diesem Abend runter wie Öl. An vorderster Front kämpft Sängerin Marie immer wieder lautstark um die Gunst des Publikums und setzt mit ihrer markanten Reibeisenstimme dem eh schon mehr als gelungenen Gesamteindruck der Girls noch die Krone auf.
Respekt von meiner Seite und danke, dass ihr gekommen seid, wir sehen uns…

Den Schlusspunkt dieses eigentlich wirklich gelungenen Festivals setzen LIKE ELLIOT, die auch von Beginn an überraschen. Ich kannte die Band zugegebenermaßen nicht, und staunte nicht schlecht, als ich mir zu später Stunde plötzlich ganz gewiss war, eine MUSE- Coverband vor mir zu haben. Oder waren es gar die Originale? Ich musste auf jeden Fall zweimal hingucken, um mich zu vergewissern… Und nein, nichts von alledem.
Hier spielt eine österreichische Rockband, die offenbar Songs schreibt, die komplett in diese Ecke gehen und sich somit wirklich wie die kleinen Brüder der Superstars anhört.
Sieht man echt nicht alle Tage so was, totally strange!? Ein perfekter Ausklang eines hoffentlich noch wachsenden Festivals…

So, hat Spaß gemacht, und ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr im Juli alle wieder.
Cheerz and greetinx to everyone out there…especially to Prince V. (hope to see ya next year)